Die Politikwissenschaftler Franz Walter und Stephan Klecha klären die Pädophilie-Verstrickungen der Grünen in ihrer Frühzeit akribisch auf. Sie tun das zwar im Auftrag der Partei, aber sie können völlig frei entscheiden, wie sie es tun und wann sie Erkenntnisse veröffentlichen. Das ist eine vorbildliche Vereinbarung – und steht etwa im Gegensatz zu dem Versuch der Katholischen Kirche, die Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe gegen Priester und die Publikation eines Berichtes zu kontrollieren. Walter und Klecha lassen sich auch zu Recht nicht davon beirren, dass Wahlkampf ist und manche ihrer Erkenntnisse dem Ansehen der Grünen schaden.

Etwas seltsam jedoch mutet an, dass die Wissenschaftler nicht nur einen Bericht am Ende und vorher irgendwann einen Zwischenbericht über wichtige Entdeckungen publizieren, sondern im Wochentakt kleine Fitzelchen ihrer Rechercheergebnisse in die Welt setzen. Mal geht es um den Deutschen Kinderbund, mal um die Grünen, mal um die FDP, mal um den Lesben- und Schwulenverband. Ein Zusammenhang zwischen all den Veröffentlichungen besteht nur dahingehend, dass sie erkennen lassen, wie anders die Themen Pädophilie und Päderastie vor dreißig Jahren diskutiert wurden. Eine vertiefende Einordnung in den Diskurs und die Praxis jener Zeit kann aber nur die umfassende Studie leisten, an der die Wissenschaftler arbeiten. Auf sie warten wir im Sinne der Aufklärung gern noch ein wenig.