Man kann ja verstehen, dass die deutsche Linke trotz aller widrigen Umstände stolz ist auf den griechischen Ministerpräsidenten. Alexis Tsipras ist das, was auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist: einer der durchkam, und den es in der feindlichen Welt des Neoliberalismus zu schützen gilt. Es ist überdies nicht falsch zu sagen, dass die von Deutschland wesentlich mitverantwortete Politik der Eurozone in Griechenland kaum positiv wirkt und viele Menschen ins Elend treibt.

Richtig ist aber auch, dass die Griechen einen eigenen Anteil an der Krise haben. Sie haben jahrzehntelang Politiker gewählt, die jene Zustände herbeiführten – die nun allenthalben beklagt werden –, solange es ihnen nützte. Richtig ist es ebenso, dass die neue Regierung offenbar kaum ausgearbeitete Reformpläne in der Schublade hat. Das mag verständlich sein; immerhin regiert Tsipras erst seit zwei Monaten. Andererseits ist er vor der Wahl mit dem Anspruch angetreten, das Land aus der Krise zu führen.

Da muss er doch eine Ahnung davon gehabt haben, wie. Schließlich hilft es gar nichts, wenn das griechische Links-Rechts-Bündnis Deutschland stetig provoziert – so wie jetzt Verteidigungsminister Panos Kammenos mit diffusen Korruptionsvorwürfen gegen hiesige Unternehmen. Regieren ist jenseits aller Ideologie auch ein Handwerk, das man beherrschen muss. Ob Tsipras es noch lernt, ist offen.