Zauberei beruht im Wesentlichen auf einem Prinzip: Der Magier lenkt das Publikum von dem ab, was er eigentlich tut. Die Beobachter sind verblüfft und spenden reichlich Beifall. Genau diese Reaktion hat sich wohl auch SPD-Chef Sigmar Gabriel vorgestellt, als er auf dem Parteikonvent am Wochenende für das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen EU und USA warb.

Erst lenkte er das Publikum mit einer Tirade gegen den „Silicon-Valley-Kapitalismus“ von Apple oder Google ab, um dann ein Kompromisspapier mit dem DGB aus dem Ärmel zu zaubern, dass ein Freihandelsabkommen zur Freude aller Arbeitnehmer garantieren soll – aber leider so vage ist, dass es sein Ziel kaum erreichen wird. Doch das konnten die Genossen so schnell gar nicht realisieren, wie Gabriel es präsentierte. Verblüffung, Applaus, Zustimmung.

Tatsächlich ist es allerdings so: Würden die Sozialdemokraten an ihren Forderungen ernsthaft festhalten – keine Investorenschutzklausel (auch nicht beim Freihandelsabkommen mit Kanada), kein Sozial- und Umweltschutzdumping und Schutz der Gewerkschaftsrechte – dann müssten sie die Verhandlungen abbrechen. Denn TTIP soll genau das Gegenteil erreichen. Wie in allen anderen bisher weltweit geschlossenen Freihandelsabkommen. Das ist ganz ohne Zauberei der wahre Trick, von dem die Arbeitnehmer hierzulande gewiss nicht profitieren würden.