Es erscheint paradox. Vattenfall hat mit seinen Geschäften in den Niederlanden sehr viel Geld verloren und will ausgerechnet in dieser Situation einen seiner profitabelsten Unternehmensteile abstoßen: die Braunkohlesparte in der Lausitz. Tatsächlich ist der neue Vorstandschef Magnus Hall wohl vor allem bemüht, eine klare Grundlage zu schaffen für seine Amtszeit. In der schwedischen Politik gibt es keine Unterstützung mehr für das Braunkohlegeschäft. Der potenzielle Verkaufspreis sinkt von Jahr zu Jahr. Es ist also nur konsequent, wenn Hall in dieser Situation für klare Verhältnisse sorgt.

Die brandenburgische Landespolitik ist ihrerseits gut beraten, wenn sie einige Realitäten anerkennt. Mit der Energiewende ist es unrealistisch geworden, dass das altersschwache Kraftwerk Jänschwalde nördlich von Cottbus jemals durch einen Neubau ersetzt wird. Anfang oder Mitte des nächsten Jahrzehnts dürfte es vom Netz gehen. Die modernere Anlage am Standort Schwarze Pumpe hat noch eine längere Laufzeit vor sich, aber sehr viel mehr als 20 Jahre wird es auch dieses Kraftwerk nicht mehr geben.

In zwei bis drei Jahrzehnten wird von der wirtschaftlichen Monokultur der Lausitz also nichts mehr übrig sein. Die Region, in der mehr als 30.000 Arbeitsplätze von der Kohle abhängen, steht vor einem tief greifenden Strukturwandel. Ihn schon jetzt zu gestalten, wird eine der wichtigsten Aufgaben für Woidkes neues Kabinett.