Das ist ein Machtkampf von besonderer Güte. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat seinen bislang engsten Vertrauten, den VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn, öffentlich demontiert. So war es bei Piëch schon öfter: Wenn ihm ein Manager nicht mehr passte, dann wurde er abserviert. So geschehen beim Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder und bei Wendelin Wiedeking, früher Boss der heutigen Konzern-Tochter Porsche. Den Abgängen gingen jeweils mehr oder weniger eindeutige öffentliche Aussagen voraus. Im Fall des aktuellen Volkswagen-Chefs reicht ein Satz: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Das bedeutet eigentlich, dass die Tage des 67-Jährigen bei VW gezählt sind. Doch der Geschmähte will kämpfen. Er weiß den Betriebsrat und den Großaktionär Niedersachsen hinter sich. Solidarität mit Winterkorn ist wichtig. Nicht weil er so ein netter Mensch sein kann. Sondern weil VW eine andere Führungskultur braucht.

Der Konzern braucht dezentralere Strukturen

Der 77-jährige Piëch ist davon überzeugt, dass eine kleine Gruppe von Superhirnen den gesamten Konzern von Wolfsburg aus führen soll. So geht das nicht mehr. Dazu ist der Konzern zu groß und zu komplex. Er braucht dezentralere Strukturen. Bestes Beispiel ist das Desaster mit schrumpfenden Marktanteilen auf dem wichtigen US-Markt. Da wurde in Wolfsburg vieles falsch eingeschätzt. Ein starker und selbstbewusster USA-Chef hätte das verhindert.