Am Morgen nach der Niederlage schwieg er lange – der Mann, der sonst immer und zu allem lautstark etwas zu sagen hat. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan brauchte eine Weile, bis er sich – lediglich schriftlich – äußerte und die politischen Parteien des Landes dazu aufrief, „verantwortlich mit dem Wahlergebnis umzugehen“.

Sein Zögern war verständlich, denn die Bürger haben ihm bei der Parlamentswahl am Sonntag das Vertrauen entzogen. Erdogan hatte die Wahl zum Referendum über ein autoritäres Superpräsidialsystem erklärt, aber das Volk hat es nicht gewollt. Die Bürger haben sich reifer und klüger gezeigt als ihre Repräsentanten von der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP, die jeden Winkelzug des Präsidenten unkritisch bejubelten. Der Gewinner dieser Wahl ist deshalb vor allem das politische System der Türkei. Es hat sich als widerstandsfähig erwiesen.

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