Der vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush im Jahr 2003 entfesselte Irak-Krieg war ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg. Um das zu erkennen, genügte ein Blick in ein völkerrechtliches Lehrbuch. Aber die damalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) zog es vor, ins Geschichtsbuch zu schauen, dort fand sie, was Deutsche dort immer finden, und sie sprach: „Bush will von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Das ist eine beliebte Methode. Das hat auch Hitler schon gemacht.“

Die Annexion der Krim durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin ist ebenfalls eindeutig völkerrechtswidrig. Um das zu wissen, würde wiederum ein Blick in ein Völkerrechtslehrbuch genügen. Aber auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zieht es vor, ins Geschichtsbuch zu schauen, und er findet dort, was schon Däubler-Gmelin gefunden hatte: „Solche Methoden hat schon der Hitler im Sudetenland übernommen (...) Das kennen wir alle aus der Geschichte.“

Der Rückgriff auf die Verbrechen Hitlers ist in beiden Fällen dumm und ahistorisch. So wenig wie Bushs Angriffskrieg bedarf Putins Imperialismus des Vergleichs mit dem NS-Staat, um als Verbrechen betrachtet zu werden. Die Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) – ein Mietling Putins – und Helmut Schmidt (SPD) sind zwar mit Blindheit geschlagen. Aber auch schräge Hitler-Vergleiche werden sie nicht sehen machen.