Der Stresstest für Europas Banken ist vorbei, der Stress mit der Branche aber noch lange nicht. Zwar brachte die umfassende Analyse durch die Europäischen Zentralbank (EZB) und ihre vielen Helfer keine bösen Überraschungen mehr. Doch das Ergebnis kann nicht wirklich beruhigen. Positiv ist zu vermerken, dass die Kontrolleure die Lehren aus den missglückten früheren Tests gezogen haben, die eher einem fröhlichen Klassenausflug glichen als einer harten Klassenarbeit. Diesmal schaute die EZB genau hin, so dass nun Klarheit besteht, wo Europas Banken stehen. So gesehen hilft der Stresstest, Transparenz zu schaffen und Unsicherheiten abzubauen.

Das Ergebnis kann jedoch nicht wirklich überraschen. In Deutschland und anderen wirtschaftsstarken Ländern hakt es an der ein oder anderen Stelle. Aber insgesamt erweist sich die Finanzbranche als gerüstet für mögliche Turbulenzen. In Italien und anderen südeuropäischen Ländern zehrt die chronische Flaute an der Finanzbranche – alles andere wäre verwunderlich gewesen.

Für die Steuerzahler ist es eine gute Nachricht, dass viele Geldhäuser wie die Deutsche Bank ihr Eigenkapital aufgestockt haben. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat wieder für Fehlspekulationen aufkommen muss. Das ist ein Fortschritt, zu dem der Stresstest seinen Teil beigetragen hat. Die Eurokrise und die Bankenkrise als ein Teil von ihr sind damit aber längst nicht überwunden.