Eigentlich war es eine schöne Dramaturgie. Am 11. Dezember wird Klaus Wowereit von seinem Amt als Regierender Bürgermeister zurücktreten. Am 12. Dezember, so war bislang der Plan, sollte Flughafenchef Hartmut Mehdorn dem BER-Aufsichtsrat den definitiven, unverrückbaren Eröffnungstermin für Berlins neuen Flughafen verkünden.

Es wäre ein versöhnliches Ende gewesen. Es wäre überhaupt ein Ende gewesen. Ein Ende der ermüdenden Debatten über Kostensteigerungen in Milliardenhöhe, über die Durchführbarkeit von Großprojekten im Allgemeinen, über die korrekte Besetzung von Aufsichtsräten öffentlicher Unternehmen im Besonderen, über die Wege des Rauchs durch die Entrauchungsanlage, der Kabel durch die Kabeltrassen und der Kabeltrassen durch die Bodenplatte des nicht funktionsfähigen Terminals.

Doch nun kommt es offenbar anders, einmal mehr. Es gibt kein Ende, nicht einmal ein unversöhnliches. Mehdorn soll am 12. Dezember keinen Termin verkünden, sondern ein „Terminband“. Was genau das ist, bleibt erstmal sein Geheimnis. Angeblich will er verschiedene eher günstige oder ungünstige Szenarien beschreiben. Seit Beginn dieses Jahres hat er versprochen, Gewissheit zu schaffen.

Doch wie es aus Flughafenkreisen heißt, ist ihm dieses Versprechen zu heikel geworden. Noch immer gibt es zu viele Unwägbarkeiten, noch immer stoßen die Techniker auf Überraschungen, wenn sie durch die Deckenhohlräume des Terminals kriechen. Und dann sind da noch die Genehmigungsbehörden, denen Mehdorn nicht über den Weg traut und die eine Inbetriebnahme nach dem Ende der Bauarbeiten verzögern könnten. All das sind Schwierigkeiten, die er hätte vorhersehen können.

Projekt BER beenden?

Mehdorn hat in diesem Punkt versagt, aber man darf sicher sein, dass er dieses Versagen aussitzt. Viel härter treffen die Konsequenzen der absurden Ankündigungspolitik jemand anderen: Wowereits Nachfolger. Eigentlich sollte er sein Amt übernehmen in der Gewissheit, dass das größte und teuerste Problem der Stadt gelöst ist oder zumindest gelöst werden kann. Nun aber wird der Flughafenbau zu Schönefeld die Berliner Politik auch im nächsten Jahr und womöglich darüber hinaus dominieren.

Der neue Regierende Bürgermeister wird von seinem ersten Tag im Amt an wegen des BER Angriffen ausgesetzt sein und Fehler verantworten müssen, die er nicht zu verantworten hat. Er wird geschwächt sein, ehe er mit dem Regieren beginnen kann. Und ihm werden Möglichkeiten fehlen, eigene Akzente zu setzen. SPD-Landeschef und Bürgermeisterkandidat Jan Stöß etwa macht sich für einen Zukunftsinvestitionsfonds stark, in den die Hälfte der Haushaltsüberschüsse fließen soll. Wenn der Flughafen aber erst deutlich nach der nächsten Abgeordnetenhauswahl eröffnet, worauf inzwischen alles hindeutet, dann wird ein wesentlicher Teil der Haushaltsüberschüsse – falls es überhaupt welche gibt – für nichts anderes zur Verfügung stehen als für den BER.

Mehr externe Fachleute

Ist es also Zeit für den Befreiungsschlag, den manche fordern? Sollte man das Projekt BER beenden, aus dem Terminal ein Hostel, Autohaus oder Gründerzentrum machen, aus dem Rollfeld einen Landschaftspark, und an anderer Stelle einen neuen Flughafen bauen, am besten in privater Trägerschaft?

Auf keinen Fall, denn der Plan ist so einfach, wie er falsch ist. Abgesehen davon, dass eine solche Zerstörung von öffentlichem Eigentum unvertretbar wäre, ist das Vorhaben, den Flughafen von Investoren bauen zu lassen, schon einmal gescheitert. Darüber hinaus wäre die Entscheidung für einen neuen Standort eine Täuschung sowohl all jener Bürger und Unternehmen, die wegen des neuen Flughafens in den Südosten Berlins gezogen sind, als auch all jener Anwohner potenzieller anderer Standorte, die darauf vertrauen, dass es bei ihnen ruhigbleibt.

Die Berliner Politik bleibt also an den BER gefesselt. Trotzdem ist sie nicht handlungsunfähig. Da sich die Bauphase noch länger hinzieht, lohnt es sich beispielsweise, die Überlegungen zu einem Umbau des Aufsichtsrats aufzugreifen. Zuletzt hat der Präsident des brandenburgischen Landesrechnungshofs gefordert, mehr externe Fachleute in das Gremium zu berufen. Auch im Berliner Senat kursieren Skizzen, wie die Aufgabenverteilung zwischen Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung neu geregelt werden könnte.

Ein solcher Schritt wird nicht dazu führen, dass der BER früher eröffnet. Aber er könnte ein wenig von dem Vertrauen der Öffentlichkeit wiederherstellen, das seit Mai 2012 zerstört worden ist. Bessere Kontrolle hilft dem Projekt. Weitere Ankündigungen oder Terminbänder, in denen sich alle Beteiligten verheddern, bringen es über den Rand des Scheiterns hinaus.