Wenn eine Supermarkt-Mitarbeiterin Waren für ein paar Euro klaut, muss sie mit der fristlosen Kündigung rechnen. Wenn ein Flughafen-Geschäftsführer dazu beiträgt, dass ein milliardenschweres Neubauprojekt scheitert, wird er belohnt: mit Gehaltsfortzahlungen von mehr als eine Million Euro, Beiträgen zur Altersvorsorge in Höhe von fast 140.000 Euro, dem Fortbestand des Arbeitsvertrags. So gesehen wird die Entscheidung, mit der das Landgericht dem abgesetzten BER-Chef Rainer Schwarz Recht gab, zahlreiche Menschen empören.

Doch das Gericht urteilte nicht deshalb so, weil es den Kläger sympathisch fand. Das ist Schwarz für viele ohnehin nicht. Unter seiner Ägide war es schädlich für die Karriere, Zweifel zu äußern. Nein, das Gericht musste die fristlose Kündigung nach geltendem Recht für unwirksam erklären, weil der Gegenseite Fehler unterliefen. Wer das Urteil kritisiert, sollte seinen Ärger lieber gegen die Flughafengesellschaft und den Aufsichtsrat richten. Sie ließen sich zu viel Zeit, Schwarz zu feuern, sie verpassten Fristen. Weil auch der Aufsichtsrat früh wusste, dass am BER viel falsch lief, wollte das Gericht Schwarz nicht zum Sündenbock stempeln.

Doch ein schlechter Nachgeschmack bleibt. Gerade weil alle Schuldigen am BER-Desaster Teil eines großen Kartells waren, das Probleme ausblendete und Kritik abwehrte, kommen einzelne Mitglieder nun ungeschoren davon. Gerecht ist das nicht.