Der Bürgermeister tritt zurück. Der Landrat bekommt Morddrohungen. Eine für Flüchtlinge vorgesehen Unterkunft wird angezündet. Tröglitz ist das Synonym für einen rassistischen Wutausbruch. Einen kalkulierten allerdings, mit hoher krimineller Energie. Die Täter gehen systematisch vor, kühl und überlegt. Angegriffen werden vernünftige Leute, die mitten im Leben stehen. Keine politischen Außenseiter. Die mutmaßlich rechtsradikalen Täter wollen die Zivilgesellschaft in ihrem Innersten treffen, dort wo Bürgerschaftlichkeit gebraucht und gelebt wird.

Tröglitz muss mit den Nazis allein fertig werden

Was nun? Wie weiter in Tröglitz? Schwer vorstellbar, dass dort jemals Flüchtlinge leben werden. Der „jetzt erst recht“-Reflex derjenigen, die ihren Ort nicht Nazis überlassen wollen, ist zwar löblich und verständlich. Doch wie wollen sie Flüchtlinge schützen, wenn nicht einmal ihr Bürgermeister sich sicher fühlen konnte. Die Flüchtlinge brauchen unseren Schutz und dürfen von uns nicht als symbolische Schutzschilde gegen braune Aktivisten missbraucht werden. Mit den Nazis muss Tröglitz alleine fertig werden. Wenn es das denn will.

„Wird Zeit, dass sich hier was ändert.“ Dieses Zitat war kürzlich in einer Reportage über Tröglitz zu lesen. Der dort sprach, meinte nicht, es solle sich etwas zum Guten für die Flüchtlinge ändern. Er meinte eine andere Richtung. Aber welche? Deutschland geht es derzeit so gut wie nie. Die Arbeitslosigkeit ist so gering wie seit 25 Jahren nicht mehr. Junge Leute werden gebraucht.

Kein Flüchtling nimmt jemandem etwas weg. Es gibt derzeit kein materielles Motiv, das man gegen die Aufnahme von Flüchtlingen vorbringen könnte. Und so ist man wieder bei den diffusen Gefühlen, Ängsten, Ressentiments. Bei den Abstiegsängsten der vermeintlichen Mittelschicht, den unaufgearbeiteten Erfahrungen der Wendezeit und dem Verlust der Ordnung namens DDR, der daraus resultierenden Ratlosigkeit und Zukunftsangst, die Eltern ihren Kindern weitergeben.

Wenn das so ist, dann bleibt nur zu sagen: Halten wir die Dinge doch auseinander. Analysieren wir unsere Probleme. Lösen wir sie, wenn es geht. Und helfen wir den Flüchtlingen. Man muss die Flüchtlinge übrigens nicht mögen, man kann die fremdländischen Menschen auch bedrohlich finden. Doch sie werden hier sein, wir werden uns damit abfinden müssen. Europa versucht bereits mit Macht, seine Grenzen abzuschotten. Es ist vergeblich.

Tröglitz ist überall

Hilfreich wäre allerdings schon für all diejenigen, die sich nicht fürchten wollen, die es richtig finden, dass Flüchtlingen geholfen wird, dass endlich, endlich ein großer Schritt in Richtung geregelter Einwanderung gegangen wird. Nur so werden wir die Menschen, die zu uns kommen, nach ihren Möglichkeiten beurteilen können.

Solange wir die Flüchtlinge „unterbringen“ und nicht versuchen, sie zu integrieren, im Dorf, im Stadtteil, in der Schule, am Arbeitsplatz, wird sich an der latenten Feindseligkeit nichts ändern. In Tröglitz wird derzeit von einer womöglich sehr gut organisierten rechten Szene eine Art Exempel statuiert. Das heißt aber nicht, dass Tröglitz nicht im ganz Kleinen überall ist, oder sein könnte.