Es sollte der Prozess des Jahrhunderts werden. Indem man die Verbrechen der Vergangenheit aufarbeitet und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht, sollte der Weg für einen demokratischen Neuanfang geebnet werden.

Zu Recht waren die Ägypter 2011 stolz darauf, dass sie nicht nur weitgehend friedlich ihren langjährigen Präsidenten gestürzt hatten, sondern Hosni Mubarak bereits Monate später vor ein ordentliches Gericht gestellt werden konnte. Allerdings zeigte das Verfahren von Anfang an, dass man einen Diktator eigentlich nicht mit Strafgesetzen belangen kann. So ist es nun einmal nicht strafbar, ungerecht zu regieren, die Opposition zu drangsalieren und soziale Ungerechtigkeiten zu fördern.

Stattdessen wurde Mubarak wegen Veruntreuung von Geldern angeklagt und wegen der Beihilfe zum Mord an Demonstranten im Januar 2011. Die Anklage hatte wenig Substanz, und durch Vernichtung von Beweisen und Einschüchterung von Zeugen wurde sie weiter geschwächt.

Durch die wechselnden Regierungen wurde der Prozess zusätzlich politisiert. Die traurige Lehre aus diesem Debakel ist, dass Vergangenheitsbewältigung durch Gerichte eine schwierige Angelegenheit ist: Wäre Mubarak ins Exil gegangen, wäre Ägypten viel erspart geblieben. Vor allem die Glaubwürdigkeit der Justiz wurde durch den Prozess schwer geschädigt. Mit dem Freispruch Mubaraks haben viele Ägypter die Hoffnung auf eine gerechtere Zukunft aufgegeben.