Berlin - Schweigen bedeutet Zustimmung, hat der standhafte britische Philosoph Thomas Morus einst gesagt. Insofern ist also auch eine Stimmenthaltung eine Haltung. Die Bundesregierung mochte am Dienstag in Brüssel im Kreis der EU-Staaten nicht für oder gegen die Zulassung der Genmaissorte 1507 votieren. Sie enthielt sich der Stimme, damit ist die Kommission am Zug. Die aber hat erkennen lassen, dass sie die Aussaat der gegen den Maiszünsler resistenten Gen-Pflanze des US-Herstellers DuPont Pioneer auf Europas Feldern genehmigen will. Zum ersten Mal seit 15 Jahren.

Die Bundesregierung begründet ihre Enthaltung mit dem Streit innerhalb der Großen Koalition. SPD und CSU lehnen die Gensorte ab, die CDU ist dafür. Also ruht die Stimmhand und der Mais kommt. Wissenschaftlich sind die Folgen genetisch veränderter Pflanzen umstritten. Befürworter rühmen die bessere Qualität der genetisch veränderten Produkte. Kritiker fürchten einen unkontrollierten Pollenflug und wilde Kreuzungen. Doch steckt dahinter auch die grundsätzliche Frage, wer über Europas Felder künftig entscheidet. Ein Monopol von Saatgutherstellern oder die Bauern.

Europas Verbraucher lehnen genetisch veränderte Lebensmittel mehrheitlich ab. Für sie wird es beim Einkauf künftig schwieriger. Dennoch können sie ein Zeichen setzen und am Ladenregal auf Genfood verzichten. Auch Enthaltung ist schließlich eine Haltung.