Kommentar zum Glückspiel: Gegen die Punktesucht

Das sage noch einer, es gebe keine Unterschiede mehr zwischen den Parteien: Die schwarz-rote Bundesregierung wird nun Einschränkungen für Glückspielautomaten einführen, die die schwarz-gelbe Koalition auf die lange Bank geschoben hatte. 2012 hatte sich der damalige FDP-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler nach Intervention der Geldautomatenlobby geweigert, eine vom Bundesrat vorgelegte Glückspielverordnung umzusetzen. 2014 holt Röslers Amtsnachfolger und SPD-Chef Sigmar Gabriel eben dies nach, um der Spielsucht Einhalt zu gebieten.

Kern ist das Verbot der so genannten Punktespiele, einer ebenso weit verbreiteten wie perfiden Variante des Automaten-spiels. Durch die Umwandlung der eingeworfenen Beträge in Punkte schwindet beim Glückspieler nämlich das Bewusstsein, dass es um echtes Geld – und um tatsächliche Verluste – geht. Dieser vorüber gehende Realitätsverlust ist der eigentliche Sinn und Zweck der Punktespiele, an denen die Automatenbetreiber prächtig verdienen. Der vorsätzlichen Vernebelungstaktik ein Ende zu setzen, ist also aller Ehren Wert. Zwar wird der Gesetzgeber mit Verboten die Spielsucht nicht ausmerzen können. Dämpfend sollten die neuen Regelungen, die auch die Höchstgrenzen für Gewinne und Verluste herunter setzen, aber allemal wirken. Und wenn nicht? Dann steht einer weiteren Verschärfung nichts im Wege.