Die Szene hat etwas rührend Altmodisches: Geheimagenten überwachen die Zerstörung von Festplatten in einer Zeitungsredaktion. Britische und amerikanische Dienste schöpfen den weltweiten Datenverkehr ab. Aber die Regierung von James Cameron tut so, als seien die Enthüllungen des „Whistleblowers“ Edward Snowden durch ein wenig Computer-Hacking der archaischen Art rückgängig zu machen. Die Journalisten des „Guardian“ gehörten entlassen, hätten sie so sensible Daten nicht anderweitig gesichert.

Aber darum geht es nicht. Es geht um eine Machtdemonstration. Das Empire schlägt zurück. Potenzielle Preisgeber von Staatsgeheimnissen sollen nicht erst durch harte Urteile wie in den USA, sondern durch krude Machtdemonstrationen diesseits der Gerichte abgeschreckt werden.

Ältere Deutsche erinnert das an die „Spiegel-Affäre“ 1962, als die Regierung Adenauer Redaktionsräume durchsuchen und Redakteure verhaften ließ – wegen eines angeblichen Abgrundes von Landesverrat. Die Aktion wurde zum Fanal für die Pressefreiheit.

Und heute? Wird die bislang mäßig interessierte Öffentlichkeit sich durch den sichtbaren Willkürakt eher aufrütteln lassen als durch die virtuelle Datenstaubsaugerei? Nötig wäre es. Eine Debatte über Sicherheit und Freiheit tut not. Wenn die Bürger nichts gegen den internationalen Überwachungsstaat tun, wird er sich weiter ausbreiten als wir uns heute vorzustellen vermögen.