Es kommt eher selten vor, dass sich mehrere Außenminister kurzfristig in internationale Verhandlungen einschalten, eineinhalb Tage durchverhandeln und dann doch mit leeren Händen dastehen. Genau das ist am Wochenende in Genf passiert.

Am Freitag noch schien ein Durchbruch in den Atomgesprächen mit dem Iran zum Greifen nah. Um ihn zu besiegeln, begaben sich die Chefdiplomaten aus den USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und Deutschland zum Verhandlungsort. Der Iran war ebenfalls mit seinem Außenminister präsent, China mit dem Vize-Ressortchef. Am Ende hieß es: Wir sind vorangekommen, aber ein Abkommen ist noch nicht möglich.

Dem Vernehmen nach ist Frankreich noch nicht restlos überzeugt davon, dass es der Iran tatsächlich ernst meint. Es teilt die Sorgen Israels, das sich wie kein anderer Staat der Region vor einer iranischen Atomwaffe fürchtet.

Am 20. November werden die Atomverhandlungen fortgesetzt. In der Zeit bis dahin sollten sich die diplomatischen Bemühungen nicht darauf konzentrieren, die Regierung in Paris zum Einlenken zu bewegen. Sinnvoller wäre es, den Iranern deutlich zu machen, dass sie ihren guten Willen noch stärker zum Ausdruck bringen müssen. Nichts wäre schlimmer als ein Atom-Abkommen mit dem Iran, an das wichtige Akteure nicht glauben und das dazu geeignet ist, auf Dauer Zwietracht im westlichen Lager zu säen.