Die gute Nachricht lautet: Es ist nicht gelungen, mit dem hochgefährlichen Trojaner „Regin“ in das IT-System des Bundeskanzleramtes einzudringen. Die schlechte aber geht so: Es hat offenbar jemand versucht – und zwar über die private Computerausrüstung einer Mitarbeiterin. Wie viel daran Zufall war, wie viel Methode? Wir wissen es nicht.

Da die Bundesregierung sich bedeckt hält, wissen wir auch nicht, ob sie es weiß. Pikant daran ist nicht die technische Seite, sondern der politische Aspekt. Nach allem, was wir wissen, wurde „Regin“ in Kooperation von britischen und amerikanischen Geheimdiensten entwickelt. Bereits 2011 erfüllte er seine elektronische Aufgabe bei der EU-Kommission in Brüssel. Nächster Einsatzort Berlin?

Seit Monaten unter der Decke

Für diese These spricht die Diskretion der Bundesregierung, die den jüngsten Vorfall offenbar seit Monaten unter der Decke hält. Der Lauschangriff unter Freunden auf das Handy der Kanzlerin schien (fast) vergessen. Da möchte man die Beziehung zu den USA nicht schon wieder durch Kritik am Fortbestehen solcher Praktiken belasten. Es ist aber durchaus möglich, dass der Trojaner längst von anderen Diensten eingesetzt wird.

Da er erkannt wurde, scheint diese Gefahr sich in Grenzen zu halten. Aber Nachfolgemodelle werden nicht lange auf sich warten lassen. Es bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung ihre Sicherheitsanstrengungen ebenso pflegt wie die deutsch-amerikanische Freundschaft.