Selten hat das Leben einen Aphorismus des Philosophen Friedrich Nietzsche so brutal bestätigt wie diesen: „Die Griechen, die so gut wußten, was ein Freund sei, diese selben Griechen haben die Verwandten mit einem Ausdruck bezeichnet, welcher der Superlativ des Wortes Freund ist. Dies bleibt mir unerklärlich.“ Ausgerechnet in seiner Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche hat sich seine düsteren Ahnung erfüllt. Nachdem es ihr gelungen war, die Stellung der allein sachverständigen Verwalterin seiner Werke zu erschleichen, verfälschte sie die Werke ihres Bruders mit Federmesser und Tinte, ein für die Rezeption der Werke nachhaltig schädliches Verfahren.

Bänder gehören ins Archiv

Dergleichen ist der zweiten Ehefrau des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl natürlich nicht zu unterstellen, aber die Verbissenheit, mit der sie ihren exklusiven Zutritt zum Ohr des Ex-Machthabers verteidigt, seine von ihr betriebene Isolierung von früheren Vertrauten, sein von ihr offenbar verursachtes Zerwürfnis mit seinem Biografen – das alles lässt für seinen schriftlichen und auf Tonbändern gesprochenen politischen Nachlass Schlimmes befürchten. Natürlich hat Helmut Kohl – wie es das Oberlandesgericht Köln jüngst bestätigte – das Eigentum an den von ihm in 630 Stunden besprochenen Bändern.

Aber zu recht verwies der Vorsitzende Richter darauf, dass die Bänder weder beim Biografen noch „in irgendwelchen Privatkellern in Oggersheim“ liegen sollten. Sie gehören ins Archiv.