Nein, Finnland wird so schnell nicht der Nato beitreten. Und Schweden auch nicht. Aber dass hier im Norden des Kontinents so intensiv wie selten über die Mitgliedschaft im westlichen Bündnis nachgedacht wird, sagt viel über die grundstürzende Veränderung der sicherheitspolitischen Landschaft, von der allenthalben die Rede ist. Wladimir Putin, so viel ist sicher, hat die Welt verändert wie kein zweiter Politiker unserer Tage. Ja, es ist durchaus ein neuer Kalter Krieg, mit dem wir es zu tun haben. Und wie schon der alte schließt er ein paar heiße Scharmützel durchaus ein.

Die große Veränderung ändert aber nichts an der alten Lehre, dass eine Lösung des Sicherheitsproblems militärisch nicht möglich ist. Die Armeen der drei baltischen Staaten etwa haben zusammen nicht einmal die Stärke der Polizei von St. Petersburg. Da hilft es auch nichts, wenn die Nato ein wenig mit ihrer neuen „Speerspitze“ herumfuchtelt und Moskaus Manöver im Norden Russlands mit eigenen an dessen Westgrenzen beantwortet.

Bisher macht Wladimir Putin mit seinen Provokationen an den Grenzen des Nato-Gebietes halt. Das ist aber kein Grund, sie auszuweiten. Im Gegenteil. Neue Mitglieder aufzunehmen, wäre eine Provokation von Seiten des Westens. Auch dies gehört zur Aktualität der alten Lehre: Status quo bedeutet wenigstens Stabilität. Selbst wenn das in der Ukraine anders gesehen wird.