Wie schwierig die Aufklärung der Mordtaten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) ist, kann man seit Monaten in dem Prozess gegen Beate Zschäpe und Co. vor dem Münchener Oberlandesgericht beobachten. Was wir uns als braune Gewalt zu bezeichnen angewöhnt haben, hat plötzlich ein ziviles Gesicht bekommen, das die Einhaltung juristischer Regeln beanspruchen darf. Am Ende steht die Hoffnung, dass es sowohl für die Angehörigen der Opfer als auch für die Gesellschaft zu einem angemessenen Urteil kommt.

Weit schwieriger ist der Umgang mit einem latenten Rassismus, den man sich bis zum Bekanntwerden der Taten des NSU in einem solchen Ausmaß nicht vorzustellen wagte. Kenan Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, hat Recht, in diesem Zusammenhang von einem strukturellen Rassismus zu sprechen.

Der Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages hat auf unmissverständliche Weise ein Behördenversagen zum Ausdruck gebracht, das eben nicht nur aus Einzelversagen resultiert, sondern auch in den Einstellungen von Mitarbeitern dieser Behörden wurzelt. Die Einrichtung eines Amtes für einen Bundesbeauftragten gegen Rassismus wäre eine überfällige staatliche Willensbekundung. Über die Qualität der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Rassismus besagt eine solche Stelle aber noch nichts.