Auch wenn die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe in dem Prozess gegen sie bislang beharrlich geschwiegen hat, konnte man ihr Auftreten doch von Beginn an als klar artikuliertes Statement verstehen. An 128 Verhandlungstagen saß da eine im Gerichtssaal, die den Eindruck erweckte, in dem begrenzten Rahmen der Möglichkeiten, die ihr die Haftsituation setzt, jederzeit die Kontrolle über sich zu haben.

Der öffentlichen Wahrnehmung entzog sich die stets adrett gekleidete Angeklagte so gut es ging. Emotionen erlaubte sie sich nicht, allenfalls huschte im Gespräch mit ihren Anwälten ein Lächeln über ihr Gesicht, meist nur eingefangen von einer seitlich postierten Kamera. Eine, so schien es, bis ins Letzte durchdachte Verteidigungsstrategie, wurde einmal mehr zu einer Belastungsprobe für die Angehörigen der Opfer, die als Nebenkläger am Prozess teilnehmen und nichts sehnlicher erwarten als endlich eine Auskunft zu den Taghergängen von einer, die es möglicherweise wissen kann.

Manches deutet nach der überraschenden Wende im NSU-Prozess darauf hin, dass Beate Zschäpe sich äußern wird. Was auch immer das sein wird und welche Intention sie damit verfolgt: Es ragt weit über bloße Folgen für den Prozess hinaus. Es ist aber zu befürchten, dass die Angehörigen der Opfer bezüglich ihrer Erwartungen erneut Enttäuschungen hinnehmen müssen.