War das nun schon die Rückkehr der alten PDS, wie die Vorzeigelinke Sahra Wagenknecht vor dem Parteitag geargwöhnt hatte? Den Vertretern des linken Flügels der Linkspartei blieben auf dem Delegiertentreffen am Wochenende in Hamburg nur noch Rückzugsgefechte. Die Genossen stimmten für ein Europa-Programm, in dem zwar eine grundlegende Neuausrichtung der Europäischen Union gefordert, diese aber nicht mehr als militaristisch und neoliberal angeprangert wird. Auf die aussichtsreichen Listenplätze für das Europäische Parlament schafften es zudem überwiegend gemäßigte Reformer.

Es war der erste Parteitag der Linkspartei, auf dem der alte Delegiertenschlüssel nicht mehr galt, der den Westen bevorteilt hatte. Zehn Jahre nach Gründung der WASG ist das durchaus symbolisch zu verstehen, die Machtstrukturen haben sich mit dem Rückzug von Oskar Lafontaine zugunsten der Ost-Pragmatiker verschoben. Es wird sich zeigen, wie sehr die Flügelkämpfe zwischen Ost und West, Fundamentalisten und Reformern trotzdem noch die Partei lähmen können.

Die beiden Parteichefs Kipping und Riexinger haben es in den vergangenen zwei Jahren geschafft, die Partei zu befrieden. Spätestens aber, wenn mit Ramelow in Thüringen ein Linker Ministerpräsident werden sollte, dürfte das Leben in der Opposition auch für die jetzt so überlegenen Reformer im Bund nicht mehr so gemütlich sein.