Das Räumen der Barrikaden in Hongkong ist kein Rückschlag für die Demonstranten. Die Aktion reiht sich nahtlos in ihren friedlichen Protest ein. Sie haben verstanden, dass weitere Blockaden nicht nur Gewalt von Seiten des Staates hervorrufen könnten, sondern dass sie eine noch tiefere Spaltung der Gesellschaft riskieren würden. Das wäre das Gegenteil dessen, wofür sie kämpfen. Sie wollten, dass ihre Anliegen wahrgenommen werden. Das wurden sie, wenn auch ungern.

Es war allerdings ein Fehler der Studenten, die angebotenen Gespräche mit der Regierung abzusagen. Wie, wenn nicht durch einen Dialog, wollen sie ihre Forderungen durchsetzen oder einen Kompromiss erreichen? Sie haben es geschafft, Volk und Regierung aufzurütteln, nun müssen sie lernen, wie demokratische Prozesse ablaufen. Mit dem Beharren auf Maximalforderungen funktioniert es nicht.

Ihr Rückzug ist vernünftig und eine Konzession an die Regierung. Nun müssen sie weiter auf Gespräche pochen und in diesen Gesprächen das Bestmögliche für ihr Anliegen herausholen. Es wird ein gewaltiger Akt. Denn die politischen Entscheidungen für Hongkong werden nach wie vor in Peking getroffen. Jetzt ist es an Leung Chun-ying, für die Hongkonger einzustehen und seine Rolle als ihr Regierungschef zu erfüllen. Eine moderate Wahlreform wäre durchaus möglich, ohne das Gesicht zu verlieren.