Die Steuerquellen sprudeln. Nach den Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute wird der deutsche Staat in diesem und dem kommenden Jahr insgesamt einen Überschuss von 50 Milliarden Euro erzielen. Es gibt drei Möglichkeiten, damit zu verfahren. Erstens: Man könnte die Schulden abbauen, um das gesamtstaatliche Defizit jenen 60 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung anzunähern, die im EU-Stabilitätspakt vereinbart wurden. Dies ist nicht dringlich, da selbst bei einem nur ausgeglichenen Haushalt und gleichzeitigem Wirtschaftswachstum die Defizitquote fällt. Man kann also den Überschuss ausgeben und trotzdem die Schuldenquote verringern. Zweitens, und dies schlagen drei der vier Institute vor, könnte der Einkommenssteuertarif begradigt werden, um den Mittelstandsbauch abzubauen und so besonders die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen zu entlasten. Das wäre eine sowohl sozialpolitisch wie volkswirtschaftlich sinnvolle Maßnahme.

Man könnte, drittens, einen Teil des Überschusses dafür verwenden, dringliche Investitionen in die marode Infrastruktur zu finanzieren, wie es das DIW Berlin vorschlägt. Der Ertrag solcher Ausgaben lässt sich zwar nicht präzise beziffern. Sicher aber ist: Im Falle der Unterlassung sind die Einbußen enorm und belasten kommende Generationen stärker, als ein Mittelstandsbauch im Steuertarif es vermöchte.