Die Kaltschnäuzigkeit, mit der Extremisten ihren Heiligen Krieg in die kenianische Hauptstadt Nairobi brachten, verschlägt einem den Atem. Harmlose Einkäufer und Café-Besucher in Muslime und Christen aufzuteilen, um Erstere gehen zu lassen und Letztere kaltblütig hinzurichten: Das hat man seit den Zeiten des Genozids in Ruanda nicht mehr gehört. Handelt es sich um die Verzweiflungstat kranker, vom Aussterben bedrohter Fanatiker? Oder hat der Terror der angeblichen Gotteskrieger eine neue Stufe des Wahnsinns erklommen?

Wahrscheinlich ist beides der Fall. Afrikas Regierungen und Militärs haben dem islamistischen Terror jüngst mit westlicher Hilfe zwei empfindliche Niederlagen beigebracht: eine in Mali und eine in Somalia. Die Entscheidung im Norden Nigerias steht noch aus. Vom Druck gepeinigt, suchen die Heiligen Krieger jetzt in einer Eskalation ihrer Methoden Zuflucht: Afrika muss sich auf eine neue Welle der Gewalt gefasst machen.

Entscheidend ist nun, vernünftig auf den Anschlag zu reagieren. Die Verantwortlichen in den Staaten Afrikas, in denen Muslime und Christen mehr oder weniger harmonisch koexistieren, dürfen nicht zulassen, dass die Eskalation auch ihre Bevölkerung weiter entzweit. Der zweifellos nötige Kampf muss dem Terror gelten, nicht den Anhängern des Propheten, dessen Name immer schamloser missbraucht wird. Sonst hätten die blutrünstigen Brandstifter ihr Ziel nämlich erreicht.