Néstor Kirchner, dem 2010 verstorbenen Ehemann und Vorgänger der argentinischen Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner, konnte man vieles vorwerfen, aber gewiss nicht, dass er angesichts des Unrechts der Vergangenheit einfach zur Tagesordnung überging. Auf seine Initiative hin wurden nach Jahren bleiernen Schweigens die Verfahren gegen die Täter der Militärdiktatur wieder aufgenommen, und genauso ging er gegen die Verschleppung des Falles AMIA vor, des Anschlags auf das jüdische Zentrum in Buenos Aires 1994. Ein „nationale Schande“ nannte er das, und vor den UN machte er Iran dafür verantwortlich.

Kaum war Néstor tot, leitete seine Frau als Präsidentin die Wende ein. Mit Irans Mahmud Ahmadinedschad verabredete sie eine „Wahrheitskommission“ – als ob seit 2007 keine Interpol-Haftbefehle gegen hohe iranische Regierungsfunktionäre bestünden. Vor diesem Hintergrund hat der Tod von Staatsanwalt Nisman eine höchst dramatische Note.

Nisman, einst von Néstor eingesetzt, ermittelt seit zehn Jahren in Sachen AMIA und wirft der Präsidentin vor, sie hintertreibe die Ermittlungen, um mit dem Iran wieder Handel treiben zu können. Ob Nisman sich das Leben genommen hat oder ermordet wurde ist bisher ungeklärt. Aber was auch immer als Todesursache ermittelt wird – der tiefe Schatten des Zweifels wird das Bild der dies Jahr abtretenden Präsidenten wohl auf ewig verdüstern.