Christen, Muslime und Juden haben am Sonntag gemeinsame Sache gemacht. Zu Millionen sind sie in ganz Frankreich auf die Straße gegangen. Seite an Seite haben sie den Terror verurteilt, sich zu Toleranz und Meinungsfreiheit bekannt und der ermordeten Journalisten des Satire-Blattes Charlie Hebdo gedacht. Allein in Paris sind eine Million Menschen zusammengekommen, um gegen die Barbarei aufzubegehren. Seit dem Ende der Besatzungszeit und dem Sieg über Nazi-Deutschland hat man die Nation nicht mehr so geeint erlebt.

Wie ein Wunder mutet das an. Durch die Wirtschaftskrise zermürbt, durch die Globalisierung verunsichert, von wachsendem Islamismus bedroht, hatten die Franzosen in Scharen den Rückzug ins Private angetreten. Bei Wahlen stellten sie immer neue Stimmenthaltungsrekorde auf, machten den „das System“ in Frage stellenden rechtspopulistischen Front National zur stärksten politischen Kraft. Der höchste Repräsentant des Landes, Staatschef François Hollande, wusste zuletzt nicht einmal mehr ein Fünftel seiner Landsleute hinter sich.

Doch nun haben ausgerechnet Terroristen Niedergang und Zerfall aufgehalten. Diejenigen, die darauf aus sind, durch Barbarei die freien westlichen Gesellschaften zu lähmen und zu zerstören, haben das Gegenteil erreicht. Die Franzosen scheinen zum Glauben an die Ideale der Republik zurückgefunden zu haben, zum Glauben an Freiheit und Brüderlichkeit zumal.