Die Handys schweigen. Viele ukrainische Soldaten, die Debalzewo verteidigt haben, sind seit Tagen nicht mehr zu erreichen. Vielleicht sind sie tot, vielleicht gefangen, vielleicht auf dem Rückmarsch. Die Front hat sich beruhigt, offenbar orientieren sich beide Seiten neu. Und angesichts der militärischen Atempause erinnern sich die Kriegsparteien wieder daran, dass es ja noch einen Waffenstillstand gibt. Jene „Minsk 2“ genannte Vereinbarung, die bei Debalzewo so schnell und gründlich zerbombt wurde, wie selten ein Waffenstillstandsabkommen in der Militärgeschichte.

Jetzt tun Ukrainer wie Rebellen so, als wären die Waffen verstummt, am Samstag tauschte man zweimal Gefangene aus, dann erstaunten Kiew und Donezk mit der simultanen Ankündigung, gemäß Minsk 2 ihre schweren Geschütze aus dem Frontgebiet abzuziehen. Bezeichnend ist indes die Klage der OSZE-Beobachter, dass die Rebellen ihnen die Routen ihres Waffenabzugs verschweigen. Das ist kein Wunder, gehört doch ein Großteil dieser Waffen zum Inventar der russischen Armee, deren Teilnahme am Krieg im Donbass Russen wie Separatisten hartnäckig leugnen.

Russland führt in der Ukraine einen hybriden Krieg, den es jetzt auch noch mit einem hybriden Waffenstillstand bemäntelt. Tatsächlich aber fehlt dem Kreml wie den Rebellen jeder politische Wille zu einer Friedenslösung in absehbarer Zukunft.