Berlin - Es ist an der Zeit, mit einem Missverständnis aufzuräumen. Der Zensus 2011 war keine Volkszählung, wie viele immer noch denken. Der Zensus ist ein amtlicher Daten-Mischmasch, wenn auch ein hochprofessioneller.

Die Statistiker glichen in ganz Deutschland die Melderegister ab, überprüften Sonderfälle wie Gefängnisinsassen oder Botschaftsangehörige und vermengten das anschließend mit Erkenntnissen, die aus stichprobenartigen Haushaltsbefragungen gewonnen wurden. Dazu braucht es natürlich Kriterien, und wie bei jeder Statistik waren diese Kriterien von Menschen gemacht. Anders ausgedrückt: Wie in jeder Statistik steckt auch im Zensus ein Hauch von Willkür.

Nicht nur in Berlin, wo die Zahl der Einwohner plötzlich um 180.000 geschrumpft ist, löste der Zensus einen Schock aus. Die schleswig-holsteinische Kreisstadt Plön beispielsweise soll statt 12.834 nur noch 8686 Bürger haben – ein Minus von 32 Prozent. Hier wie dort hat das dramatische Folgen für den Haushalt. In den betroffenen Regionen wird gerätselt, wie man die Finanzlöcher stopfen könnte.

Proteste gegen den Zensus selbst gab es aber nirgends. Insofern darf es schon als mutig gelten, wenn der Berliner Senat nun leise an den Ergebnissen zu zweifeln beginnt. Er kann ruhig etwas lauter werden. Eine Statistik, die wesentliche Finanzströme in Deutschland bestimmt, sollte besser korrekt sein. Jeder Einwohner zählt.