Einige Tage lang schien es vorstellbar, dass die Berliner CDU von der Debatte über die Öffnung der Ehe profitiert. Sicher, sie blockiert die Zustimmung zu einem entsprechenden Entschließungsantrag im Bundesrat und sie stellt sich gegen alle anderen Parteien im Abgeordnetenhaus. Doch dauerhaft ist der politische Schaden überschaubar.

Sollten die Mitglieder im Juli die Ehe für alle befürworten, dann hätten die liberalen Kräfte im Landesverband um Generalsekretär Kai Wegner und Justizsenator Thomas Heilmann ein starkes Mandat, in der Bundespartei für ihre Positionen zu kämpfen – und der CDU wieder zu Wahlchancen in großen Städten zu verhelfen.

Cornelia Seibeld: "Diskriminierung schafft man nicht durch Gesetze ab"

Doch seit Donnerstag muss man bezweifeln, dass es ein solches Signal aus Berlin geben wird. Im Abgeordnetenhaus ließ die CDU-Fraktion ausgerechnet ihre stellvertretende Vorsitzende Cornelia Seibeld zu dem Thema reden. Es war die erste Einlassung einer CDU-Spitzenpolitikerin nach der Ankündigung des Mitgliederentscheids. Seibeld warb nicht um Geduld und pries auch nicht die innerparteiliche Demokratie.

Stattdessen rühmte sie die 2000-jährige Geschichte der Ehe und krönte ihre Rede mit dem Satz: „Diskriminierung schafft man nicht durch Gesetze ab.“ Die meisten ihrer Fraktionskollegen klatschten brav. Sie applaudierten einer Stimme aus der Vergangenheit. Nun ist es an den CDU-Mitgliedern, ihre Partei in die Gegenwart zu holen.