Man muss die AfD nun wirklich nicht für einen sympathischen Verein halten. Aber spannend ist es schon, was sich da auf fast offener Bühne an Parteiwerdungsprozess abspielt. Wir werden Zeugen von Flügelschlachten, wie es sie seit der Gründung der Grünen vor nun schon über drei Jahrzehnten nicht gegeben hat.

Wie damals spielt bei den neuen „Grünen von rechts“ der Wunsch eine Rolle, anders zu sein als die Etablierten. Deshalb hat die Alternative für Deutschland keinen Vorsitzenden, sondern drei Sprecher. Deshalb gibt es für wichtige Entscheidungen keinen Parteitag mit einer festgelegten Zahl von Delegierten. Wenn es Ende des Monats um die künftige Satzung des Vereins geht, kann kommen, wer will. Wie es aussieht, wollen 3000 der etwa 22.000 Mitglieder mitreden.

Für die Streitenden um die Spitze wird der Machtkampf zum Glücksspiel: Kann sich Bernd Lucke sicher sein, dass die „Basis“ ihm zu Füßen liegt wie zu Beginn? Sind die Rivalen, denen das Abendland wichtiger ist als der Kampf gegen den Euro, wirklich mehrheitsfähig

Lucke, in den Augen der Öffentlichkeit immer noch der tatsächliche Vorsitzende der Partei, geht auf den anderen Flügel zu. Er lässt seine Distanz zu Pegida verschwimmen und hat seine Rhetorik gegen den Islam verschärft. Für die Rivalen ein schlechtes Zeichen. Er gibt offenbar ein wenig nach, um in der Hauptsache zu kämpfen: um die Macht in der Partei.