Die „Alternative für Deutschland“ macht dort weiter, wo sie zur Bundestagswahl aufgehört hat: Sie will ein (Stimmen-)Sammelbecken für alle Protestwähler rechts bis ganz weit rechts der Mitte sein. Und wenn sich ein paar linke drunter finden? Auch gut.

Allerdings drehen Bernd Lucke und die seinen die Schraube des Populismus ein erhebliches Stück weiter. Mit dem Slogan „Mut zur Wahrheit“ sollte das Unbehagen aller angesprochen werden, die unter dem angeblichen Diktat „politischer Korrektheit“ leiden. „Mut zu Deutschland“ - das ist nicht einfach jenes Bekenntnis zum eigenen Nation, wie es in anderen Ländern selbstverständlich ist. Der Slogan kommt trotzig daher und unterstellt, dass diese Einstellung in Deutschland eines besonderen charakterlichen Aufwands bedürfe.

Wen würde es wundern, wenn er auf Plakaten mit der Aufschrift „Mut zu Deutschland“ die rechtsextreme NPD als Urheber fände? Die AfD versucht, gegen derlei Kritik zu immunisieren, in dem sie das „eu“ in „Deutschland“ europäisch umkränzt. Ob der grafische Trick und das liberale Aushängeschild Hans-Olaf Henkel ausreichen, um Wähler anzusprechen, die sich nur ein bisschen rechts von CDU, CSU und FDP fühlen?

Lucke spielt ein gefährliches Spiel. Noch ziert sich der Professor, wenn er nach einer möglichen Zusammenarbeit mit den Bewegungen von Le Pen und Co. gefragt wird. Die Distanzierung kann nur glaubwürdig bleiben, wenn er sich auch anders verhält.