Bis vor kurzem war Bernd Lucke noch der unangefochtene Star der „Alternative für Deutschland“. Die junge Partei ohne den Professor? Undenkbar! Doch inzwischen finden ihn immer mehr in der AfD keineswegs alternativlos. Den nun anstehenden Machtkampf hat er selbst angestrebt. Dass er so schwer werden könnte, hat er offenbar nicht bedacht.

Genervt von den nicht enden wollenden Grabenkämpfen an der Basis, die bis in die Führung ausstrahlten, wollte Lucke nicht nur in den TV-Talkshows, sondern auch im richtigen Parteileben die Nummer Eins sein. Nicht einer von drei Sprechern will er sein, sondern Vorsitzender. Wie Angela Merkel und Sigmar Gabriel.

Allein, die Zeiten haben sich geändert und mit ihnen die Gewichte in der Partei. Die Eurokritik, die Lucke zum Aufbauthema der AfD gemacht hat, ist an den Rand gerückt. In den erfolgreichen Landtagswahlkämpfen ging es um andere Fragen. Da hat die Partei sogar mit DDR-Nostalgie gespielt und mit der Forderung nach einer freundlicheren Haltung gegenüber Russland gepunktet. Und nun: Pegida! Endlich jene Demonstrationen, die es gegen den Euro nicht gab. Dem kühlen Ökonomen ist die vermeintliche Volksbewegung suspekt. Andere wollen den Anschluss nicht verpassen.

Der Machtkampf in der AfD geht nicht nur um die Satzung, sondern um die inhaltliche Ausrichtung der Partei. Rechts oder ultrarechts – das ist hier die Frage.