Rechtlich ist die Sache klar. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit für EU-Bürger aus Rumänien und Bulgarien wird zum Jahreswechsel kommen. Das weiß auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. In dem Konflikt aber vermengen sich längst mehrere Dinge. Zum einen die kommenden Europawahlen und die Furcht vor dem Erfolg populistischer Parteien.

Hinzukommt der Druck aus Kommunen wie Mannheim, Duisburg und Dortmund, die in einzelnen Vierteln unter den sozialen Folgen der Zuwanderung leiden. Dass es anders geht, hat der Berliner Bezirk Neukölln mit einem ehrgeizigen Schulprogramm bewiesen. Deshalb ist der Ansatz der EU-Kommission richtig, die Kommunen bei den Kosten zu unterstützen.

In der EU herrscht weiterhin ein starkes Armutsgefälle. Und kommt der Euro nicht nach Bulgarien und Rumänen, dann kommen die Menschen eben hierher. Das kann ihnen niemand verdenken. Man mag das – wie Friedrich und Cameron – mit Zuzugsbehinderungen zu erschweren versuchen, stoppen kann man es nicht.

Und noch etwas steckt in diesem Streit um die Freizügigkeit. Der EU-Kommission geht es um die Verteidigung eines ehernen Grundprinzips der EU. Den Kritikern ist dieses Prinzipielle ein Beleg für die Unbelehrbarkeit Brüssels. Es geht also nicht nur um die Freizügigkeit, es geht um die künftige Machtbalance zwischen Kommission und Mitgliedstaaten. Es geht um das künftige Europa.