Ursula von der Leyen versteht es auch als Verteidigungsministerin, sich medial ins beste Licht zu rücken. Ihr erstes großes Interview seit Amtsübernahme hat die 55-Jährige dazu genutzt, die Bundeswehr mal ganz anders zu präsentieren. Statt über den gescheiterten Afghanistan-Einsatz, unselige Rüstungspannen oder deutsche Interessen in der Welt zu sprechen, setzt von der Leyen ganz darauf, die Bundeswehr als Arbeitgeber attraktiver zu machen.

Clever ist das, weil sich die neue Ministerin so zum Gegenentwurf ihres strengen Vorgängers stilisiert, was ihr viel Sympathien in der Truppe einbringen könnte. Während Thomas de Maizière vom Dienen sprach und wenig übrig hatte für die Klagen der durch die Bundeswehrreform verunsicherten Soldaten, mimt von der Leyen die „Mutter der Kompanie“. Mehr Tagesmütter und mehr freie Wochenenden müssen verlockend klingen für einen Apparat, der zuletzt zu hören bekam, die Reform werde nicht für die Soldaten gemacht, sondern damit die Bundeswehr funktioniere.

Aber nicht nur die Truppe hört es gerne. Auch die Boulevardmedien mögen ihre Sehnsucht nach einer neuen politischen Lichtgestalt gestillt sehen, nachdem ihnen der glamouröse Guttenberg viel zu früh abhanden gekommen war. Sein Abstieg allerdings sollte von der Leyen eine Warnung sein: Schlagzeilen allein genügen nicht, um das Unternehmen Bundeswehr zu führen.