Wir haben die Wahl: Regen wir uns darüber auf, dass jeder zehnte ausländische Jugendliche nicht mal die Hauptschule schafft, jeder dritte junge Erwachsene ohne deutschen Pass keine abgeschlossene Ausbildung hat? Oder wollen wir lieber zum hundertsten Mal über ein Burka-Verbot debattieren?

Im Kanzleramt tagte am Montag der Integrationsgipfel, Thema dieses Jahr: Die katastrophale Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Wie notwendig dieser Schwerpunkt ist, zeigt schon der Vergleich der Schul- und Berufsabschlüsse von Ausländern und Deutschen. Kinder aus nicht-deutschen Familien liegen da weit abgeschlagen. Gescheiterte Bildungskarrieren gibt es vor allem bei jungen Migranten.

Potenzial im eigenen Land

Ausgerechnet das alternde Deutschland, das auf gut ausgebildeten Nachwuchs angewiesen ist, lässt also zu, dass ein nicht geringer Teil der Bevölkerung abgehängt wird. Dabei sollte es eine parteiübergreifende Erkenntnis sein, dass es sich Deutschland nicht leisten kann, so viel Potenzial im eigenen Land nicht zu nutzen.

Umso bedauerlicher ist es, dass sich CDU-Vize Julia Klöckner am Tag des Integrationsgipfels lieber über ein paar Frauen aufregen möchte, die sich hierzulande nur vollverschleiert aus dem Haus wagen. Der Anblick von Frauen in Burka mag verstörend sein; die vielen jugendlichen Migranten ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt sollten uns mehr alarmieren.