Die Deutsche Bahn verspürt mächtig Gegenwind. Im Fernverkehr ist sie vom Erfolg der neuen Bus-Anbieter überrascht worden, auch im Frachtgeschäft ist die Konkurrenz stark. Innerhalb des eigenen Unternehmens schwelt seit Monaten der Tarifkonflikt mit den Gewerkschaften GDL und EVG, selbst das Wetter machte dem Konzern zuletzt zu schaffen. Ergebnis: Umsatz und Gewinn blieben im vergangenen Jahr deutlich hinter den Erwartungen zurück.

In dieser Situation tut das Bahn-Management etwas Bemerkenswertes: Es tritt die Flucht nach vorn an. Es gibt nicht die Parole aus, den Problemen hinterherzusparen. Sie sollen vielmehr durch Wachstum überwunden werden. Dieses soll nicht aus riskanten Zukäufen kommen, sondern aus dem Unternehmen selbst. Das gilt insbesondere für den Fernverkehr: Hier will die Bahn in den kommenden Jahren ihr Zug-Angebot im großen Stil ausbauen, die Fahrzeiten verkürzen und insgesamt mehr Qualität bieten. Sie besinnt sich auf ihre Stärken, also auf Zuverlässigkeit und Tempo sowie den Vorteil eines großen Netzes.

Für Verbraucher ist das eine gute Entwicklung. Der Fernbus-Schock hat Bahn-Verantwortlichen daran erinnert, dass das Unternehmen nur erfolgreich sein kann, wenn das Produkt stimmt und die Kunden zufrieden sind. Eigentlich sollte dies eine Selbstverständlichkeit sein. Doch Riesen neigen eben manchmal dazu, sich für unverletzlich und unersetzbar zu halten.