Der Neuanfang der Deutschen Bank beginnt auf der Anklagebank. Das klingt zynisch, beschreibt aber leider sachlich die Realität beim nationalen Branchenprimus. Am Montag stellen die beiden Co-Vorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen den mehr oder weniger konsequenten Umbau vor. Am Dienstag holt Fitschen und mit ihm die früheren Chefs Rolf Breuer und Josef Ackermann die Vergangenheit vor dem Landgericht München ein.

Kein Zufall

Wenn es bei der Deutschen Bank nur um den Kirch-Prozess und seine Weiterungen ginge, dann ließe sich noch zur Zurückhaltung mahnen – schließlich gilt auch für Bankvorstände die Unschuldsvermutung. Doch die Deutsche Bank steht an so vielen Stellen im In- und Ausland im Konflikt mit dem Gesetz, dass dies kein Zufall sein kann. Egal ob es um die Manipulationen von Zinsen oder Devisenkursen, um Steuertricks im Handel mit Umweltzertifikaten oder um zwielichtige Geschäfte am US-Immobilienmarkt geht – überall mischte die Deutsche Bank an vorderster Stelle mit.

Verantwortung der Führungskräfte

Dafür tragen die Führungskräfte Verantwortung und damit auch und gerade Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Es geht nicht darum, einzelne Personen zu brandmarken, die besonders im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Doch eine Kultur der Verantwortungslosigkeit und des mangelnden Respekts selbst vor Gesetzen fällt nicht vom Himmel. Sie war gewollt und organisiert.