Die gute Nachricht ist: Kabarettisten erhalten immer wieder neues Material von der CSU. Die Forderung, dass künftig an allen Küchentischen in Deutschland deutsch gesprochen werden soll, liest sich, als wäre sie von einem Komiker ins Parteitagspapier geschmuggelt worden – um die Dialektfreunde aus dem Süden mal so richtig schön vorzuführen.

Es ist aber bitterer. Die CSU hat sich die Formulierung selbst überlegt. Und auch wenn sie jetzt noch einmal daran herumgedoktert hat und behauptet, missverstanden worden zu sein und so indirekt einräumt, des Deutschen selbst nicht ganz mächtig zu sein: Das Signal ist gesetzt und folgt einer perfiden Strategie. Nach dem Wahlkampf mit der Ausländer-Maut, nach der Parole „Wer betrügt, der fliegt“, folgt nun das nächste Stück Fremdenfeindlichkeit.

In Thüringen spricht die CDU mit der AfD über Regierungsbündnisse, die CSU macht es anders: Sie übernimmt deren Programmatik. Sie grenzt sich nicht ab, sondern nimmt Stimmungen auf und befeuert sie. Ressentiments sind gut für den schnellen Applaus, aber auch riskant. Es ist ein billiges, ein dumpfes Manöver – der Zweck, das Wählersammeln, heiligt da nicht die Mittel. Die Bundes-CDU bemüht sich gerade, den Eindruck zu erwecken, mit Rechtspopulismus nichts zu tun haben zu wollen. Eine Auseinandersetzung mit der Schwesterpartei ist hier dringend nötig. Und das nicht nur kabarettistisch über Twitter.