Seit Monaten wütet das Ebola-Virus in Westafrika, von der übrigen Welt sträflich unterschätzt. Die ist jetzt aufgewacht. So will etwa die deutsche Verteidigungsministerin ziviles und militärisches Personal entsenden. Ursula von der Leyen möchte es diesem Personal aber selbst überlassen, ob es geht oder nicht. Das ist mindestens problematisch.

Denn das Risiko, in Monrovia an der Krankheit zu sterben, ist für Angehörige der Streitkräfte objektiv kaum größer, als auf dem Höhepunkt des Afghanistan-Einsatz das Risiko war, in Kundus umzukommen. Vor allem verstärkt das Freiwilligkeitsprinzip jene Angst vor Ebola, die es eigentlich zu bekämpfen gilt und die längst Teil des Problems geworden ist. Denn wenn sogar das Militär die Entscheidung dem Einzelnen anheimstellt, so der fatale Eindruck, dann muss es ja wirklich schlimm sein. Schlimmer als Krieg.

Es ist dringend geboten, dass die Weltgemeinschaft entschlossener eingreift, und entspricht ziemlich genau den wiederholten Bekundungen der Regierung, dass Deutschland mehr Verantwortung übernehmen müsse. Es ist in unser aller Interesse. Die Seuche hat längst das Ausmaß einer humanitären Katastrophe erreicht. Je weniger der Westen heute hilft, desto mehr wird er morgen helfen müssen. Das ist die brutale Lehre der Krise, ein Lehrbeispiel für Globalisierung und ein Teufelskreis im wahrsten Sinne des Wortes.