Alle schimpfen über das Wetter. Dabei haben Wolken und Regen eine gute Seite: Weil sich Sonne und Wind in diesem Jahr rar gemacht haben, konnten Solarkollektoren und Windräder nicht ihre volle Leistung bringen. Also steigt die Ökostromumlage weniger stark als befürchtet. Statt sieben Cent je Kilowattstunde werden nur 6,24 Cent fällig. Soweit die gute Nachricht.

Tatsächlich freilich muss der Durchschnittshaushalt zum Jahreswechsel immer noch 40 Euro drauflegen. Das ist eine Menge Geld. Und die Tendenz zeigt weiter nach oben. Inzwischen läuft die für den Abschied vom Atomzeitalter äußerst segensreiche Förderung der erneuerbaren Energien nämlich völlig aus dem Ruder. Dass die Industrie, die am lautesten über den Preissprung lamentiert, zu großen Teilen von der Abgabe befreit ist, gehört zu den zahlreichen Paradoxien. Auch kann ein System kaum funktionieren, das immer mehr Bürger, die ihren eigenen Strom produzieren, von der Solidarzahlung befreit.

Vor allem aber steigt die EEG-Umlage ungedeckelt umso mehr, je billiger der Strom an der Börse wird. Mit Marktwirtschaft hat das ebenso wenig zu tun wie mit der Energiewende, die nun zu Unrecht pauschal verteufelt wird. Nicht das Ziel, sondern das Förderinstrument muss radikal reformiert werden. Eine höchst komplizierte Aufgabe. Für die neue Koalition wird das eine der größten Herausforderungen sein.