Die konservativen Gegner der „Ehe für alle“ in der Union erinnern irgendwie an Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“. „Nein, meine Suppe ess’ ich nicht“, beharrt der Suppenkaspar in dem Kinderbuch mit dem, nun ja, etwas veralteten Weltbild. Der trotzige Bengel weiß ja, dass er essen muss. Eigentlich. Er merkt auch, dass er immer schwächer wird ohne Nahrung. Aber er will es nicht wahrhaben.

Volker Kauder, außerhalb der CSU der prominenteste unter ihnen, lässt sich gern mit dem Satz zitieren: Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit. Aber an dieser Stelle schaut er weg. Er mag nicht die vielen braven homosexuellen Eheleute, pardon: Partnerschaften sehen. Er mag nicht wahrnehmen, dass die letzten ehelichen Privilegien keineswegs nur Paaren mit Kindern zugutekommen. Welche Wirklichkeit stützt die Behauptung, nur verschiedengeschlechtliche Eltern täten Kindern gut?

Was für ein armseliger Schrumpfkonservatismus, der seine Identitätsprobleme auf dem Rücken einer Minderheit austrägt.

Bis in den Tod

In Berlin versucht der Landesvorsitzende aus seiner Feigheit eine plebiszitäre Tugend zu machen. Die CDU der Hauptstadt lässt ihre Mitglieder über die „Ehe für alle“ abstimmen. Ein spannender Test auf die Realitätstauglichkeit einer Partei, die in den Großstädten ohnehin ein Akzeptanz-Problem hat. Der Suppenkaspar ist bekanntlich bei seiner Verweigerungshaltung geblieben. Bis in den Tod.