Für viele schien es ein Jahr der Liberalität zu werden. Allein die nüchterne Aufzählung kam im Sound des Triumphes daher. Irland, Grönland, Mexiko und die USA haben per Referendum, Gerichtsentscheid oder Parlamentsbeschluss die Ehe für alle eingeführt und so einen wichtigen Schritt zur rechtlichen Gleichstellung homosexueller Paare getan. Wurde die Entscheidung des Supreme Courts umgehend als Meilenstein der amerikanischen Rechtsgeschichte verstanden, die ihre Wirkung in die Gesellschaft hinein erst noch entfalten müsse, so durfte man die Abstimmung der irischen Bevölkerung für die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare als Ausdruck eines fundamentalen gesellschaftlichen Wandels verstehen.

Die als konservativ geltenden, mehrheitlich katholischen Iren haben mit ihrem Votum unter Beweis gestellt, dass Traditionalismus und Modernität keine unvereinbaren Gegensätze sein müssen. Die Entscheidung der Iren hat eindrucksvoll unterstrichen, dass man Menschen mit einer bestimmten sexuellen Orientierung nicht etwa ein Recht einräumt, das ihnen auch wieder entzogen werden kann. Vielmehr ging es um die Festschreibung eines Bürgerrechts. Die Referenden und Gerichtsentscheidungen in diesem Jahr nähren trotz allem die Hoffnung auf die Entwicklung der Bürgerrechte als einer Fortschrittsgeschichte.

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