Die verschachtelten Firmenkonstruktionen heißen Dutch Sandwich oder Double Irish. Mal fließt Geld für angebliche Lizenzen wie bei Apple, mal für angebliche Patente wie bei Fiat. Stets wandert Geld ins Ausland, stets steuermindernd, und am beliebtesten ist dabei Irland. Denn das Land erlaubt Firmen einen Doppelsitz, zum einen in Irland, zum anderen in der Karibik. Ist das Geld also erstmal über Patent- oder Lizenzzahlungen in Irland gelandet, hat es auch schon die EU verlassen. Alles legal, alles am Fiskus vorbei. Auch das ist Europa.

Die EU-Kommission will gegen diese Steuertricks nun vorgehen und hat gegen Luxemburg, die Niederlande und Irland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Offiziell geht es um unerlaubte Beihilfen für Privatunternehmen. Inoffiziell um Steuerdumping und den Versuch, über geringe Abgaben Firmen ins jeweilige Land zu locken. Der Aufschrei in den betroffenen Ländern ist groß. Doch geht es hier nicht um Regulierungswut. Das Beispiel zeigt vielmehr, dass eine Harmonisierung der europäischen Steuerpolitik nötig ist.

Der Beifall für die EU-Kommission fällt dennoch gedämpft aus. Die Behörde legt sich nur mit den Kleinen an, Großbritannien zum Beispiel bleibt vorerst unbehelligt. Das mag in der Phase von Camerons Revolte politisch opportun erscheinen, richtig ist es dennoch nicht. Der Kampf um mehr Steuergerechtigkeit in Europa steht also erst am Anfang.