Deutsche Beamte sind zur Loyalität gegenüber ihrem Dienstherrn verpflichtet. Die Übergänge zu Gehorsam und Selbstverleugnung allerdings können fließend sein. Das ließ sich am Dienstag im Bundestags-Untersuchungsausschuss zur Euro-Hawk-Affäre beobachten: Dort nahm Verteidigungs-Staatssekretär Stéphane Beemelmans die ganze Verantwortung für das Milliarden-Debakel auf sich. Er habe Minister Thomas de Maizière zu spät über das Scheitern des Projekts unterrichtet.

De Maizière selbst wird dieser Darstellung bei seiner eigenen Vernehmung am Mittwoch gewiss nicht widersprechen. Für ihn und Kanzlerin Angela Merkel geht es nur noch darum, die Zeit bis zur Bundestagswahl zu überstehen. Danach kann sich der Minister wieder Hoffnung auf ein Regierungsamt machen.

Thomas de Maizière gilt zwar als pflichtbewusster und loyaler Minister. Das hindert ihn aber nicht daran, sich an diesem unwürdigen Schauspiel zu beteiligen. Sein Staatssekretär und langjähriger Vertrauter muss den Kopf für den Chef hinhalten, damit dieser seinen eigenen Kopf retten kann. Die politische Verantwortung für das gescheiterte Drohnen-Projekt trägt nicht Beemelmans, sondern allein de Maizière. Er ist für alles Wichtige verantwortlich, was in seinem Ministerium vonstatten geht. Pflichtbewusst gegenüber den Steuerzahlern wäre es, wenn de Maizière sein Amt zur Verfügung stellen würde – Wahl hin oder her.