Über die Nöte der gesetzlichen Rente haben sich die Deutschen viele Gedanken gemacht. Auch die Risiken der Aktienanlage sind nach den schmerzlichen Erfahrungen mit dem Neuen Markt und dem Kurseinbruch wenige Jahre später in der Weltfinanzkrise kein Geheimnis mehr.

Erst allmählich aber gerät ins Bewusstsein, dass die größte Bedrohung für die Altersvorsorge von ganz anderer Stelle herrührt – den ultraniedrigen Zinsen. Eine Zeit lang lassen sich mickrige Renditen für Lebensversicherungen, Sparbücher oder Bundesanleihen verschmerzen. Doch die Zinsen sind nicht nur außergewöhnlich niedrig. Sie sind es auch schon für eine historisch außergewöhnlich lange Zeit. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Notenbank muss Preise stabil halten

An diesem Donnerstag wird die Europäische Zentralbank (EZB) die Lage verschärfen – aus Niedrigzinsen werden Nullzinsen. Der Ärger aller, die bei der Planung fürs Alter von anderen Voraussetzungen ausgegangen sind, ist verständlich.

Trotzdem betreibt Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon ein gefährliches und falsches Spiel, wenn er vor einer Enteignung der Sparer warnt. Über die Geldpolitik der EZB lässt sich streiten. Muss das sein mit den Nullzinsen? Darüber darf diskutiert werden. Aber eindeutig ist: Ihre Entscheidungen darf eine Notenbank nicht danach ausrichten, ob sie Sparer zufriedenstellt. Sie hat sich darum zu kümmern, die Preise stabil zu halten. Daran und nur daran ist sie zu messen und nicht an den Renditeerwartungen der Anleger.