Der Satz ist schon älter, aber er stimmt noch immer: Nur wenn wir selbst begeistert sind, können wir auch andere begeistern, rief Oskar Lafontaine vor Jahren aus, als er sich anschickte, mit einer leidenschaftlichen Rede die Führung der SPD an sich zu reißen. Die Mühe braucht Christian Lindner sich nicht zu machen. Der Vorsitz der FDP ist ihm zugefallen – und das verdientermaßen.

Lindners erste Auftritte in der neuen Verantwortung legen den Schluss nahe: Er kann beides – Begeisterung und Seriosität. Er ist dabei, einen eigenen Tonfall zu entwickeln, der sich klar unterscheidet von dem schrillen Getöse Guido Westerwelles, aber auch von den stets überfordert klingenden Lamentos Philipp Röslers.

Der Hoffnungsträger der Liberalen hat beim traditionellen Drei-Königs-Treffen eine ungewöhnliche Rede gehalten. Die parteipolitische Polemik, normalerweise im Mittelpunkt dieser Veranstaltung, spielte nur eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt stand die Inszenierung des Staatsmannes Christian Lindner, die ihm mit einem erstaunlich geringen Maß an Peinlichkeit gelungen ist.

Der FDP-Chef hat ein glaubwürdiges Bekenntnis zu Europa abgelegt – und dennoch populäre Kritik am Zustand der Gemeinschaft geübt. Dieser Spagat muss ihm dauerhaft gelingen, soll die FDP im Europa-Wahlkampf überleben und als seröse Alternative zur Euro-feindlichen, populistischen Alternative für Deutschland bestehen.