Führerlos treibende Schiffe, hygienische Notstände in provisorischen Camps, Massengräber im malaysischen Dschungel – die Schreckensnachrichten über das Elend von Menschen, die ihre bisherige Heimat verlassen müssen und an der Suche nach einer neuen verzweifeln, reißen nicht ab. Und die Einzigen, die darauf eine Antwort zu haben scheinen, sind Schlepperbanden und kriminelle Fluchtorganisationen. Wo Menschen gezwungen sind zu fliehen, treffen sie auf Menschen, die ihr Leid systematisch aufnehmen und nach den Regeln eines räuberischen Kapitalismus auszubeuten wissen.

Was wir Asyl- und Flüchtlingspolitik nennen, hat darauf oft nur hilflose Antworten. Im Durchschnitt dauere das Verfahren zur Bearbeitung eines Asylantrags beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gut sieben Monate, und Menschen aus Ländern wie Eritrea, Afghanistan oder Pakistan müssen noch länger warten. Zu lange, befindet nun eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, Deutschland sei bei der Bearbeitungsgeschwindigkeit Schlusslicht in der EU. Vor allem aber gehe dadurch Zeit für die Integration verloren. Bislang ist es Asylbewerbern in nur fünf Bundesländern möglich, bereits während der Wartezeit Deutsch zu lernen. Flüchtlingspolitik wird immer noch als vorübergehender Ausnahmezustand wahrgenommen – eine Täuschung, die wir uns nicht länger erlauben sollten.