Man kann dem Verfahren, durch das ermittelt werden soll, ob Hamburg oder Berlin der geeignetere Bewerber für die Austragung von Olympischen und Paralympischen Spielen in den Jahren 2024 oder 2028 ist, keinen Mangel an Sportlichkeit unterstellen. Die Ermittlung des Bewerbers wurde in derart viele mit Spannung aufgeladene Einzelschritte zerlegt, dass selbst die Veröffentlichung einer schnöden Meinungsumfrage eine gehörige Portion Zündstoff birgt.

55 Prozent der Berliner wollen, dass ihre Stadt den Zuschlag für die spätere Austragung des Weltsportfestes erhält. Das ist eine bemerkenswerte hohe Zustimmung, wenn man bedenkt, dass Berlin seit jeher auch die Hauptstadt der Olympiagegner war und ist. Der Widerstand gegen die gescheiterte Olympiabewerbung von 1993 gehört längst zur Stadtlegende, und obwohl Berlin über herausragende Sportstätten verfügt und die Stadien- und Hallenbesucher mehrfach unter Beweis gestellt haben, dass sie eine faszinierende Atmosphäre für Sportwettkämpfe bieten können, war doch immer auch Skepsis mit im Spiel, wenn es um die Austragung des Megaevents Olympia ging.

Diese besondere Reibung sollte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bei seinem weiteren Entscheidungsmikado unbedingt als Pluspunkt für Berlin verbuchen. Wenn Olympische Spiele eine Zukunft haben sollen, dann brauchen sie kritischen Zu- und Widerspruch nach Berliner Muster.