"Water rats" hieß eine australische Krimi-Serie, die bis 2001 produziert wurde und so Einblicke in das segensreiche Wirken der Hafenpolizei von Sydney ermöglichte. Natürlich kamen darin auch Gauner und Getriebene vor, aber vor allem zeigt die Serie die sportiv-beschauliche Lebenswelt der Metropole am Wasser, in der Kriminalität und soziale Konflikte zwar nicht gänzlich verschwunden sind, aber doch eine untergeordnete Rolle spielen. Verglichen mit anderen Weltmetropolen war die Kriminalitätsrate australischer Städte stets verschwindend gering.

Aber „down under“ ist nicht aus der Welt. Die dramatische Geiselnahme in einem Café am zentral gelegenen Martin Place im Geschäfts- und Ausgehviertel von Sydney zeigt einmal mehr, dass der radikalislamische Terror ein leicht zu kopierendes Verbrechens- und Wahnsystem ist, vor dem sich kein Land und keine Stadt restlos schützen kann. Ein mutmaßlich einzelner Täter vermag eine ganze Stadt in Atem zu halten, und über die sozialen Netzwerke ist die ganze Welt an sein bizarres Tun angeschlossen.

Dabei ist es am Ende von zu vernachlässigender Bedeutung, ob es sich um die Tat eines verwirrten Einzelnen handelt oder ob sie aus organisierten Strukturen hervorgegangen ist. Es ist zu befürchten, dass im Zeichen schwarzer Fahnen noch viel Unheil angerichtet werden wird, dessen größte Gefahr die Irrationalität ist.